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„Als junger Mann lernte ich in Brake an der Unterweser zufällig einen alten Tischler kennen, mit dem ich ins Gespräch kam. Er lud mich zu sich nach Hause ein und zeigte mir seine Werkstatt.“

„Als ich Interesse an einem Breitbeil zeigte, erzählte er mir die Geschichte dieses Werkzeuges. Er bekam im zweiten Weltkrieg den Auftrag Unterkünfte für russische Kriegsgefangene bauen zu lassen. Er erzählte, dass er sehr schnell merkte, dass diese ihre Unterkünfte am besten nach ihren eigenen Gewohnheiten und Können bauten. Fasziniert und mit Liebe zum Detail erklärte er mir, wie diese russischen Kriegsgefangenen sich aus selbst geschlagenen Fichten Blockhäuser bauten. Wohlgemerkt, alles nur mit Axt und Handsäge. Er staunte über die Passgenauigkeit und große Stabilität der Holzverbindungen.“

„Diese sollten in einem bald darauf folgenden feindlichen Bombenangriff unter Beweis gestellt werden. Nach seinen Aussagen blieben alle Häuser, welche keinen direkten Treffer erhalten hatten, intakt, waren zwar zum Teil umgekippt oder verschoben, eines sei über 20 Meter von seinem ursprünglichen Platz versetzt worden, jedoch waren sie allesamt nach Wiederaufrichten und geringfügigen Reparaturen praktisch unversehrt und funktionsfähig. Dieses Erlebnis hat ihn nachhaltig beeindruckt und infolgedessen auch mich.“

„Das Breitbeil habe ich ihm abgekauft. Von da an ließ mich diese Form des Holzbaus nicht mehr los und ich probierte viele verschiedene Methoden und Techniken aus. Heute beschränke ich mich auf zwei bis drei bewährte Bauweisen, als Priorität an erster Stelle immer die Stabilität und Dauerhaftigkeit setzend. Die rustikale Wohnlichkeit eines solchen Gebäudes ist das zwangsläufige Produkt des Baustils.“

— Marco zu Stolberg —

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